10 Italiener und 1 Bulli

Nachdem ich meine USA Tour mit der Rückreise von Oslo nach Braunschweig Mitte Juli 2013 beendet habe, stand mir der Sinn, wie bereits geschrieben, nach mehr Abenteuer. Also habe ich mich nach 2 Wochen Umbau und Reparatur Phase wieder auf den Weg gemacht. Dabei habe ich beim T3 hauptsächlich am Antrieb und Innenraum gearbeitet. Eine Aufbereitung des Lacks hatte ich hinten angestellt, wie sich heraus stellen sollte war das auch gut so!

Wie schon meine Radtour in den USA begann auch diese Reise mit dem ersten Tritt ins Pedal. Das markante Geräusch des 70PS Diesel Motors erfüllt den Innenraum mit wohligem Brummen, und ab geht es, 2200km nach Süden, immer der Sonne entgegen. Mein Ziel, Sizilien! Meine Planung sah vor, das ich auf dem Weg dorthin an Bodensee, Mailand, Pisa, Rom und Neapel vorbeikommen würde. Nicht die kürzeste Verbindung, aber definitiv sehenswert.

Die ersten Hundert Kilometer habe ich noch in Deutschland zurück gelegt. Das beruhigende Gefühl das der ADAC nur einen Anruf entfernt ist, sorgte doch für ein Gefühl der Leichtigkeit. Also flog ich mich wahnwitzigen 70-80km/h über deutsche Bundesstraßen Richtung Lindau (Bodensee). Warum ich nicht auf der Autobahn gefahren bin? Die LKW’s hetzen mich immer so 🙂 Ich habe mir für die Reise vorgenommen ca. 200km pro Tag zu fahren (man vergleiche 60km pro Tag mit Frank)
So bin ich dann nach 2 Tagen Reise am ersten zwischen Ziel angekommen und habe erstmal einen entspannten Tag am Bodensee verbracht. Glücklicherweise konnte ich ca. 5km außerhalb der Stadt im Wald parken, so daß ich auch Nachts in Ruhe schlafen konnte.

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Also dann auf nach Österreich, oha, das war’s schon? Also ich hätte ja wenigstens jemanden erwartet, der fragt ob ich Drogen, Prostituierte oder Säckeweise Bargeld schmuggle. Aber Nagut, ein Vorteil der EU, musste ich meine Drogen nicht verzollen 🙂 Mein Bedürfnis nach Kontrolle wurde dann aber wenigstens in Lichtenstein befriedigt, als der Zöllner zumindest so getan hat als würde er auf meinen Pass schauen. In Lichtenstein konnte ich es mir dann auch nicht nehmen lassen, mit Frank wenigsten kurz mal ein paar Berge unsicher zu machen, Ansonsten währe ich da schneller durchgefahren als man „Lichtenstein“ sagen kann 🙂

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Die weitere Fahrt lief Problemlos, obwohl ich in Gedanken schon auf Motorüberhitzung und sonstige Katastrophen spekuliert hatte, kletterte der Bulli emsig wie eine Ziege die Pässe in der Schweiz empor. Ein ums andere mal musste ich dann schon anhalten, aber das war dann um die Serpentinen zu bestaunen die wir gerade bezwungen hatten. Auch mein GPS war durch die engen Kurven häufiger der Meinung wir würden verkehrt fahren und ich solle doch wenden. Ich kann sagen, daß ich überaus froh war, nicht mit Rad diese Anstiege bezwingen zu müssen. Habe mir aber nicht selten gewünscht einen Beifahrer zu haben, der übernimmt, während ich die Berge mit dem Rad runterballer. Vielleicht ein andern mal.

Als ich dann die Grenze nach Italien überquerte merkte ich dies nicht an der Sprache, sondern daran das es anscheinend nur noch Fiats gab und man in Kurven auch nicht unbedingt mehr auf der eigenen Straßenseite bleiben muss. Da gab es schon einige Situationen in denen ich dachte gleich erwische ich die Mauer. Auch ist die Straßenbreite hier eine Variable mit der man eher nicht Rechnen sollte, aber dazu komme ich später. Glücklicherweise ist bis hierhin alles gut gegangen, so dass ich diesen Teil ohne Blessuren überstanden habe. Ich näherte mich meinem ersten Ziel, Mailand, Mode-Metropole, das wird sicher spannend.

Nach 20 Minuten Mailand hatte ich keine Lust mehr und wollte nur noch raus aus der Stadt. Ich bin Wohlgemerkt nur den äußeren Randbezirken nahe gekommen, da ich von vornherein eh nur mit dem Rad in die Innenstadt wollte. Das habe ich mir dann aber ganz schnell anders überlegt. Ich habe in Mailand aber gelernt, warum die Autos hier kaum Klimaanlagen haben… Man fährt immer mit offenen Fenstern damit man hinaus gestikulieren und auch artikulieren kann, was einem gerade am anderem Autofahrer nicht passt. Dies wurde mir von einer netten Dame im Kreisverkehr praxisnah vorgeführt. 🙂

Als ich es dann endlich aus Mailand heraus geschafft hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem Parkplatz der nicht unmittelbar an der Straße lag, um in Ruhe schlafen zu können. In Pavia, habe ich diesen dann auch gefunden. Direkt am Fluss mit Blick auf die Stadt. Abends dann noch eine kleine Radtour durch die Innenstadt, essen gekocht und schlafen gelegt.
Gegen 23:00 habe ich dann außen am Auto gehört, das jemand rumgelaufen ist. Dachte ich mir nichts bei, dann wurde ich plötzlich durch mein Klappfenster mit einer Taschenlampe angeleuchtet. Nagut, schauen wir mal raus, was denn da los ist, Blaulicht, dann gehe ich doch mal kurz vor die Tür. Nur in Boxershorts, Na toll, gleich mal nen guten Eindruck machen. Den beiden Carabineri war das aber Einglück egal, sie gaben mir zu verstehen, dass mein Fahrrad sehr gut und sicher Angeschlossen ist. Jedoch sollte ich mein Bus-Vorzelt, das nur mit Spanngummis befestigt ist, doch lieber im Bus lassen, damit es nicht geklaut wird. Ansonsten wünschen sie mir noch eine gute Nacht. Sehr Aufmerksam und freundlich!

Weiter ging die Fahrt und obwohl ich selber nichts anstrengendes gemacht hatte, stand mir der Sinn doch mal nach einer richtigen Dusche. Im Meer baden macht zwar sauber, aber ein Schaumbad ohne Badehose, ist da nicht so gern gesehen. Auch ist Salzwasser auf Dauer doch etwas ungesund für die Haut. Zu meinem Glück, fand ich dann einen klaren Bach, an und in dem ich mich waschen konnte. Ich dachte mir aber, daß ich lieber von der Stelle noch ein wenig Fussabwärts laufen sollte wer weiß, wer an dieser Stelle, an der ich geparkt habe, auch den Bach besuchen will.
Es war ein tolles Erlebnis im Bach entlang zu laufen und als ich dann einen schönen tiefen Pool gefunden habe, war es ein Super Gefühl. Kalt war es, klar, aber an einem heißen Tag hätte ich auch Stunden im Wasser zubringen können. Zum waschen an sich, ich habe Outdoor Seife benutzt, die ist biologisch Abbaubar, trotzdem sollte man diese im Normalfall nicht direkt im Gewässer benutzen. Es empfiehlt sich immer einige Meter entfernt vom Bach oder Fluss diese zu benutzen, da der Boden als natürlicher Filter fungiert bevor die Seifenlauge ins Wasser kommt!

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Auf dem weiteren Weg habe ich dann verschiedenste Schlafplätze genutzt die mal mehr oder weniger schön gelegen waren. Insgesamt kann ich aber sagen, das ich mit dem Zelt verzweifelt wäre, wenn es darum gegangen, wäre abgeschiedene Plätze zu finden. Italien ist doch dichterbesiedelt als ich dachte, zumindest die Küste.
Ein Erlebnis der besonderen Art hatte ich dann, als ich mich entschied, abseits der Hauptstraße durch ein kleines Dorf am Meer fahren zu wollen. LKW’s war die Durchfahrt verboten, naja so genau nimmt man das schon nicht denke ich mir. Also abgebogen und eh ich mich versehe, stecke ich in einer ca. 2m breiten Gasse, mit einem Gefälle von 10-15 Grad und mehr, zur Info, der Bulli ist 1,80m Breit, ohne Spiegel. Ich taste mich also diese Gasse runter, mit jeder Unebenheit befürchte ich, dass ich durch das Schaukeln gegen die Wand stoße, nach 200m kommt mir ein Auto entgegen…
Glücklicherweise hat der andere Autofahrer im Rückwärtsgang die Gasse geräumt. Merke: Wenn da steht „keine LKWs“ dann hat das nen Grund!

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Auf meiner weiteren Reise habe ich dann Rom erreicht, dazu kann ich nur sagen, dass mich die Stadt tief beeindruckt hat. Ich bin kein Städtefan, aber Rom hat einen ganz besonderen Charakter. Ich war direkt zweimal da, einmal während des Tages, alles anschauen wenn es offen ist und dann nochmal bei Nacht, dann ist es kühl, nicht so überfüllt und nochmal spektakulärer. Weiterhin kann ich auch sagen, dass ich Heilfroh war, mit dem Rad unterwegs zu sein. Die Zeitersparnis und die Flexibilität ist unschlagbar. Mir taten die ganzen Passanten schon fast leid. Mehr will ich dazu jetzt gar nicht sagen, die Bilder sprechen da für sich denke ich! Rom, auf jeden Fall eine Reise Wert, vor allem bei Nacht!

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Zu meinem ersten unschönen Ereignis kam es dann als ich am nächsten Morgen auf der Autobahn ein lautes Knirschen vernahm. Was war das denn? Das Auto das ich gerade überholt hatte, signalisierte mir ich sollte Rechts ranfahren. Beim aussteigen sah ich was passiert war, beim überholen war der Spiegel des BMW mit dem hinteren Teil meines Busses kollidiert, und der Spiegel hatte verloren. Ich kann mir bis heute nicht erklären wie ich auf einer über 6m breiten schnurgeraden Autobahn angeblich diesen Wagen so geschnitten haben soll. Der Besitzer gab mir zu verstehen ich sollte bezahlen, ich habe mit meiner grünen Versicherungskarte gewedelt und aufeinmal war dann alles doch ok und er ist einfach weiter gefahren. Ich will niemanden etwas unterstellen, aber die Situation kam mir seltsam vor. Der BMW war schon seit längerem mit ca. 50-60km/h vor mir her geschlichen, da ich den Motor noch warm gefahren habe bin ich ne weile hinter im geblieben und hatte dann überholt.
Naja, wie ich anfänglich erwähnte habe, hatte ich außen bisher Einglück keine Lackierarbeiten vorgenommen. 🙂

Zu einem weiteren Vorfall kam es dann leider zwei Tage später. Diesmal war das ganze dann aber absolut meine Schuld und es Tat mir auch sehr leid wie das ganze passiert ist. Ich bin in Neapel auf Anweisung meines GPS hin versehentlich verkehrt herum in eine Einbahnstraße gefahren. Leider war diese wirklich sehr eng, kurvig und ging auch noch stark Bergauf. Natürlich geriet ich nach der ersten Kurve in Gegenverkehr. Rückwärts rausfahren war nicht möglich, also wollte ich in eine kleine Parklücke fahren, um den Verkehr passieren zu lassen. Dabei ist mir dann aber leider beim Anfahren der Bus einen halben Meter zurück gerollt und wurde durch einen geparkten Smart gebremst. Den Bulli hat es wenig interessiert, die Kunstoffstoßstange des Smart um so mehr. Ich habe es dann geschafft, den Bus auf einen kleinen Parkplatz zu stellen und Reumütig der aufgebrachten Besitzerin entgegen zu treten. Nachdem klar wurde das ich kein Italienisch und sie kein Englisch konnte, hat ein Onkel als Vermittler geholfen. Den Schaden am Auto habe ich dann mit der Tochter zusammen inspiziert und sie meinte es würde 100€ kosten das zu reparieren. Ich denke 100€ waren da noch günstig, zwar konnte das Teil einfach getauscht werden, aber Ersatzteile für neue Autos sind ja nicht gerade billig. Nach ein wenig hin und her haben wir uns dann auf 70€ geeinigt, womit ich mehr als zufrieden war. Als ich mich dann gerade auf die Weiterfahrt machen wollte, gab mir der Onkel auf einmal 20€ zurück. Dankend nahm ich diese an und hatte im nächsten Moment auch die restlichen 50€ wieder in der Hand. Sie weigerten sich dann, überhaupt Geld anzunehmen und wünschten mir eine gute Weiterfahrt.
Soviel geschwitzt wie während dieser 15min habe ich auf meiner gesamten Reise noch nicht. Auch wenn ich dann nichts weiter von Neapel gesehen habe, werde ich die Stadt trotzdem in guter Erinnerung behalten.

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Etwas südlich von Neapel, hatte ich wieder einmal gehalten, um ich auf meiner Karte ein wenig zu orientieren. Als ich gerade wieder in den Verkehr eingeschert bin, kam auf einmal ein Mann zu mir ans Beifahrer Fenster, das zur Völkerverständigung natürlich immer offen war. Ich hatte keine Ahnung was er von mir wollte, aber er zeigte auf seinen Sohn mit Krücken, achso, der will wohl das ich sie zum Krankenhaus bringe, oder so. Klar doch, keine Ahnung wo das ist, aber steigt doch beide ein. Tür auf Sohn auf den Vordersitz, Schiebetür auf Vater hinten rein, er rief irgendwas in italienisch und auf einmal war mein Auto voller Menschen. 🙂
Ich hatte immer noch keine Ahnung wo die alle hinwollten, aber wird schon keiner meine Unterwäsche klauen 🙂 Es stellte sich dann kurze Zeit später heraus, dass sie nur zum Bahnhof wollten der 1km entfernt war, aber kein Taxi bekommen konnten. Ich denke, das war ein Erlebnis für alle beteiligten. Abgesehen von einem weiteren Anhalter Pärchen aus Frankreich, wurde aber niemanden sonst eine Fahrt im Bulli zuteil.

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Südlich von Neapel wurde es dann auch Landschaftlich schöner, da die Bebauung etwas abnahm und man auch mal Strände fand die nicht nach Massentierhaltung aussahen. Am schönsten war es dann, als ich meine letzte Nacht vor Sizilien,direkt am Meer, mit kostenloser Dusche und tollem Ausblick genießen konnte. Eine interessante Reise war es nach Sizilien und wie ich jetzt feststellen konnte nur ein Vorgeschmack, auf die Offenheit und Freundlichkeit der Italiener… und Sizilianer, ja da gibt es einen Unterschied 🙂

Dazu gibt es dann in meinem nächsten Beitrag mehr, dann berichte ich über meine bisherigen Erlebnisse auf Sizilien! Hängematten, Eiskreme, Strände, Berge und mehr…

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3 Antworten zu “10 Italiener und 1 Bulli

  1. oh oh…. das ist das nächste spannende Abenteuer was man dokumentieren sollte … dabei gibt es mit den Videoepisoden zum ersten Teil deiner Reise noch viel zu tun! Aber es lohnt sich auf jeden Fall…mittlerweile wird das Projekt dank Twitter https://twitter.com/standoutmediaDE international berühmt! 😉
    Also … wir tun unser Bestes und wer weiß, vielleicht gibt es dann genügend Zeit für eine Dokumentation zum Abenteuer „Bullireise“?!

  2. „auf der Seite der Sonne und des Glücks“ – besser hätte ich es auch nicht sagen können 🙂

  3. Ich bin doch schon wieder die erste die hier ihren Senf dazu geben darf und das mache ich gerne. Freut mich das die sonst so als“Banditen“ beschriebenen Italiener Dir so freundlich gesonnen sind. Die Sache mit Deinem Spiegel vor meiner Tür da ist einfach nichts mehr passiert,soviel zu den Deutschen und deren Versprechen.
    Das mit Rom ist mir wirklich schön zu lesen denn mein Traum ist ja noch immer einmal dorthin zu fahren und alles sehen und genießen können.Somit habe ich einen neuen Wunsch für meine nächste Reise und dorthin kann ich ja genauso wie Du mit dem Auto oder der Bahn fahren.
    Danke für die tollen Fotos und weiterhin ganz viel Freude und schöne Erlebnisse bei Deinem Abenteur-Trip durch Italien/Europa!!!
    Bist doch nach wie vor auf der Seite der Sonne und des Glücks auch wenn hier und da mal was nicht so gerade läuft!
    Es grüßt und umärmelt Dich Deine MOM aus Deiner Heimatstadt

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