Fazit?

Nachdem ich nun seit etwas über einem Monat wieder in Deutschland unterwegs bin, denke ich, es ist nun doch an der Zeit auf das Erlebte zurückzuschauen und ein Resümee zu ziehen.
Also abschließende Bewertung schreiben, Note drunter und weg damit! Ja klar…

Ich denke jeder der meinen Blog verfolgt hat, meine Höhen und Tiefen miterlebt und mitgefiebert hat kann sich vorstellen das es nicht möglich sein wird das ganze mit einer abgedroschenen Phrase abzuessen. Der Weg ist das Ziel, ja ne, das wusste ich auch vorher schon.

Just a few flurries of snow

Also fangen wir anders an, was haben mir die letzten 9000km auf meinem Fahrrad an Erkenntnis gebracht? Ich habe gelernt das klimatische Extreme dazu führen das Menschen mehr zusammenhalten. Jeder der in Alaska und im Norden Kanadas länger wohnt weiß, die Gemeinschaft sichert das Überleben in der Not. Das mich das Wetter an meine Grenzen bringen würde, habe ich erwartet und auch ein wenig antizipiert. Das der Winter dann nach 3 Wochen gleich mit -25°C und Erfrierungen zuschlagen muss, war dann aber doch ein wenig zuviel des Guten. Aufgrund wiederholter Nachfrage, meine Zehen erfreuen sich aller bester Gesundheit und ich habe keinerlei bleibende Schäden behalten.

Ich habe das Warmshowers.org Netzwerk besonders zu schätzen gelernt (Beitrag). Häufig war die Offenheit und Hilfsbereitschaft dieser außergewöhnlichen Menschen das was mich am Laufen gehalten hat. Dabei ist das klassische, duschen, essen, schlafen nur die halbe Wahrheit, die Anteilnahme und das Interesse dieser wildfremden Menschen begeistert mich nach wie vor. Auch die Wiederholte Frage wie man den bitte auf die Idee kommt im Winter durch Alaska zu fahren, musste ich selbst in Kalifornien noch beantworten. Mit einigen meiner Gastgeber stehe ich nach wie vor in Kontakt und lese nun mit großem Interesse über ihre aktuellen Abenteuer.
Besonders beeindruckt hat mich die Rückmeldung über ein Paar bei dem ich übernachtet habe, das nun eine Pension eröffnet hat, weil es soviel Freude daran hatte mich zu beherbergen.

50km later... Meine technische Vorbereitung auf die Reise hinterlässt einen zwiegespaltenen Nachgeschmack. Einerseits ist ein einziger Platten auf meiner gesamten Reise einfach unglaublich, andererseits ist ein Totalschaden am Hinterrad nach 4000km bitter. Die anderen Komponenten meines Fahrrads haben mehr oder weniger wie erwartet funktioniert, oder eben auch nicht, gebrochene Speichen, verschlissene Schaltkassetten, Ketten und Lager waren zu erwarten. Positiv war ich vom guten Produktsupport bei SRAM überrascht, die meine defekten, 2 Jahre und 12.000km alten Pedale, ersetzt haben. Über den miesen Mavic Support bezüglich meiner Felge habe ich mich ja schon im entsprechenden Beitrag geäußert.
Was würde ich ändern? Federgabel, vielleicht unnötig, aber ich würde sie wieder wählen, Wartungs- und Störungsfrei seit dem ersten Tag. Ich würde mich rückblickend für mechanische Scheibenbremsen entscheiden und einen anderen Sattel wählen!

Equipment

Ausfälle an sonstigem Equipment hatte ich, abgesehen von meinem Zelt, das ich aber erstattet bekommen habe und dem Austausch mein Isomatte, keine. Meinen tollen Wasserfilter habe ich übrigens nur 3x mal benutzen müssen. Das wäre aber in Südamerika sicherlich noch mehr geworden. Ich habe während der gesamten Reise konsequent reduziert und z.T. simplifiziert, größere Unzulänglichkeiten gab es aber nicht wirklich.
Abschließend kann ich zu diesem Thema also sagen das ich mit der Auswahl meiner Bekleidung und Equipment sehr zufrieden war. Ich war immer trocken, gefroren habe ich nur an den Händen und schwitzen tut man eh immer, aber selbst da war ich mit meiner Auswahl an Kleidung zufrieden.

Meine persönlichen Fertigkeiten beim finden von illegalen Zeltplätzen würde ich als äußerst Fortgeschritten bezeichnen. Wurde in der gesamten Zeit nur 3 mal beim illegalen Zelten erwischt. Ich habe dabei auch gelernt das man sich häufig einfach zuviele Gedanken macht, die meisten Menschen interessiert es einfach nicht wenn irgendwo ein Zelt rumsteht. Ohne Fahrrad wäre es einige Male auch einfacher gewesen einen Platz, im tiefen Wald oder einen Abhang hoch / runter zu finden. Aber so ein 65Kg Fahrrad schiebt man jetzt eben mal nicht einfach durch die Pampa.

Das Fahrrad fahren an sich bereitet mir nach wie vor großen Spass und ich empfinde es als flexible und ökonomische Art der Fortbewegung. Wenn man mit 40km/h nen Berg runter rollt, denkt man sich schon, wieviel „Spass“ das jetzt wohl mit dickem Rucksack und Wanderstiefeln machen würde. Nachteilig empfinde ich aber die Bindung des Rades an einigermaßen gangbare Wege, in den USA musste ich da meistens wirklich dem Verlauf des Highways folgen. So ein richtiges Gefühl der Abgeschiedenheit kam da nicht wirklich auf. Abgeschiedenheit war ebenfalls ein äußerst zweischneidiges Schwert.

Natürlich ist man immer auf der Suche nach ruhigen Plätzen, romantischen Flecken mit tollen Ausblick fernab der Zivilisation wünscht sich jeder. Wenn das Wasser jedoch zur Neige geht, oder gerade der letzte Müsliriegel gegessen wurde, sehnt man sich dann doch ganz plötzlich wieder nach Infrastruktur. Glücklicherweise war mein einziges, jedoch dauerhaftes Problem, ein Mangel an Wasser, ich war quasi ständig auf der Suche nach Trinkwasser. Wenn meine Trinkblase auf 50% war, kam häufig schon eine gewisse Unruhe auf.
Für mich bedeutete Zivilisation aber vor allem eines, andere Menschen. Nicht im Sinne von, ich suche mir das nächste Einkaufszentrum, weil ich schwitzende Menschenmassen so gerne habe, sondern die Möglichkeit die Erlebnisse zu teilen.

Armanda & Antonio

Meine Reise alleine zu starten und durchzuführen, war von Anfang an ein Faktor der schwer zu kalkulieren war. Im Endeffekt war es dann auch leider der Grund, warum ich diese Reise unterbrochen habe. Natürlich Frage ich mich im Nachhinein, ob es nicht doch gegangen wäre, komme aber zu dem Entschluss, das es richtig war. Sicherlich habe ich immer wieder Reisende getroffen und war mit diesen zusammen unterwegs, der „Absturz“ wenn man dann wieder alleine da stand, war dann aber um so größer. Mein Fazit, ich bin Einglück immer noch kein Misanthrop 🙂

Trotzdem hat diese Reise mich verändert. Zurück in der Heimat war ich, angekommen bin ich dort aber leider nicht. Die Freude meine Freunde wieder zu sehen, Geschichten zu teilen und Fotos zu zeigen war immens. Bin ich wieder da, alles ist wieder wie früher, ich bin wieder ein Teil der Gesellschaft… Leider nein. Aber was heißt Leider, ich empfinde es beruhigend, dass der Drang, sich nicht einzugliedern und diese Gesellschaftsform zu akzeptieren, besteht. Das kann nicht alles sein, und wird es auch nicht sein für mich. Glücklicherweise konnte ich in dem ein oder anderen Gespräch auch feststellen, dass ich kein Einzelfall oder Sonderling mit dieser Auffassung bin. Gut zu Wissen!

Trotzdem kann ich diesen Abschnitt beschließen. Nicht das Reisen, Erkunden und Erfahren.

Lediglich den Teil meiner Nordamerika Reise betrachte ich als abgeschlossen. Keine abgeschlossene Geschichte, vielmehr das erste Kapitel eines Lebenswerkes. Große Worte, jaja 🙂
Ich empfinde es jedoch als einen Teil des großen ganzen Abenteuers das ich bestreite. Das anfängliche Motto, „Little is needed, to make a Happy living“ steht für mich weiterhin als Lebensmotto und ich werde weiterhin versuchen nach diesem zu leben.

Vielen Dank allen die an meinem Abenteuer direkt und indirekt beteiligt waren.
Besonders möchte ich an dieser Stelle einmal allen danken, die mir und Frank auf unserer Reise ein Zuhause gegeben haben (in geografischer Reihenfolge):

Paul H., Rick S., Amy K., Deirdre G., John & Joan, Patt, Theo M., Alex, Suzanne B., Family Neumann, Al L., Dan B., Janice & Gary McF., Gerry R., Jason, Judy B., Scott E., Astrid H., Kathy F., Jasper B., David F., Rachel F., Kevin & Jo McN., Mary N, Carol H. & Steve, Sara B., Bubba B., Elbert Family, Ullrich M., Marco L. & Wiebke F., Barbara M. & Christoph P., Birthe O. & Christian S.

– Hier könnte ihr Fazit stehen – 🙂
Von mir gibt es nämlich keines, ich bin noch nicht fertig, die Reise geht weiter…

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2 Antworten zu “Fazit?

  1. Pingback: Benamericana Video Episode 18 | pǝnamericana

  2. Juhuuuu es ist wirklich wahr ich bin mal die Erste die hier einen Kommentar abgeben darf.Und das zum Ende Deiner ersten Etappe und vor dem Start der zweiten bzw.nach Unterbrechung mit neuer Orientierung geht es für Dich weiter.
    Du warst an jedem Tag während Deiner Reise in meinen Gedanken und ich habe mich über jeden Beitrag,Postkarte (an viele andere Freunde u.Familie,aber ich wolte ja keine;-D) die von Dir kam, mit gefreut. Ich finde es nach wie vor großartig was Du machst,wie Du immer wieder aufstehst und nach neuen Möglichkeiten suchst und diese auch findest. Das hört sich jetzt nach „stolzer Mama“ an und natürlich bin ich stolz so einen tollen Sohn zu haben und genau deshalb sage ich „mach weiter,mach Dein Ding“ ES IST DEIN LEBEN und lebe es so gut es geht.
    Und bitte schreibe und fotografiere weiterhin alle Deine Erlebnisse und Begegnungen so bist Du zwar fern aber doch für mich jederzeit „abrufbar“ und wir alle ob Freund,Bekannter oder Familie nehmen gern an Deiner Reise weiterhin teil.
    Eine Woche hast Du ja noch in Deinem neuen „Wohnort“ und MOM steht schon in den Startlöchern (Küche) für heimatliche Genüsse und weiteren Geschichten,Begebenheiten von deinen letzten Monaten.
    Dein größter Fan ;-))) MOM

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