Grand Canyon

Nachdem der offizielle Teil meiner Reise in San Diego endete hatte ich trotzdem noch das ein oder andere auf meiner To Do Liste. Mein Plan den Grand Canyon zu besuchen stand schon seit längerem. Als ich den Trip geplant habe, hätte ich aber niemals gedacht, was für Abenteuer man erlebt wenn man ohne Fahrrad und Auto in den USA unterwegs ist. Ich war so Naiv…

P1000922Aber dazu komme ich später. In San Diego angekommen habe ich mich mit einer guten Freundin von Astrid getroffen Carol und ihr Mitbewohner Steve hatten sich bereit erklärt Frank in ihrer Garage unterzubringen. Dort angekommen habe ich dann meine Fahrradtaschen geleert und das wichtigste in den Rucksack von Mary verfrachtet. Ein seltsames Gefühl sein Gepäck tragen zu müssen, Einglück war der Rucksack ziemlich gut und ich konnte mein Gepäck einigermaßen komfortabel transportieren. Unglücklicherweise ist mir direkt die Schnalle vom Hüftgurt gebrochen, wie jeder erfahrende Wanderer weiß, eine Katastrophe. Einglück ist das ganze vorm Trip passiert so das ich ein wenig Zeit hatte Ersatz zu finden.

Da ich meinen 2$ Greyhoundtrip, von LA nach Las Vegas, ca. Einen Monat vor meiner Ankunft in San Diego von San Francisco aus gebucht hatte, war mein Timing ein wenig daneben. Ich hatte also noch 4-5 Tage in San Diego. Netterweise konnte ich zwei Tage bei meinem Warmshowers Host bleiben und war danach noch drei Tage im Ocean Beach Hostel, einen Block vom Strand entfernt. Ich hatte also ein wenig Zeit mich zu erholen bevor meine Tour wieder in die vollen ging. Sonne, Strand, Meer, Mexico und Down Town San Diego halfen mir meine Zeit dort zu genießen.

Am 27.02. ging es dann vom Greyhound Terminal in San Diego zurück nach Los Angeles. Nach ungefähr 30min Fahrzeit bog der Bus dann plötzlich in einem Rasthof ab. Seltsam, jetzt schon eine Pause? Nope, Border Patrol Checkpoint. Hmmm, wo war doch nochmal mein Reisepass? Da ich diesen im Rucksack im Gepäckfach hatte habe ich es einfach mal mit meinem deutschen Führerschein probiert, hat das gleiche Format und sieht ähnlich aus wie ein US Ausweis. (Hat übrigens schon einmal geklappt, als ein Teil meiner Route durch einen Armee Stützpunkt verlief. Einfach schnell am Posten vorbei gewedelt und weitergefahren, läuft :-))
Nun, der US Grenzschutz nimmt es leider etwas genauer. Natürlich komme ich gerne mit nach draußen für eine kleine Unterhaltung. Glücklicherweise war das ganze, diesmal ohne Hand an der Waffe, schnell erledigt und ich hatte wie immer eine angeregte Unterhaltung über mein Fahrrad und meine bisherige Tour.

Disney Concert Hall, LAIn LA angekommen, entschloss ich mich dann kurzerhand meinen Couchsurfing Host abzusagen, da dieser am anderen Ende von LA zu wohnen schien. Eine Nacht in der Greyhoundstation wird schon nicht so schlimm sein. Leider durfte ich meinen Rucksack nicht dort lassen, so das ich diesen den ganzen Tag durch LA schleppen musste. Wie sich später herausstellte, muss man die LA übliche inoffizielle Landessprache Spanisch sprechen, dann wird auch das Gepäck aufbewahrt. Vielen Dank auch. :-/
Mein Tag in LA war im Gegensatz zum ersten mal dadurch geprägt das ich diesmal die Touri Sehenswürdigkeiten abgegriffen habe. Hollywood Boulevard, Walk of Fame, Hollywoodsign und DisneyConcert Hall. Alles ganz nett anzusehen, LA ist trotzdem keine besonders attraktive Stadt. Zurück in der Greyhoundstation habe ich mir einen Platz auf einer der Bänke gesucht und sogar ein wenig geschlafen. Die Busfahrt nach Las Vegas war unspektakulär, aber ich konnte leider nicht schlafen, weil der Bus voll besetzt war. Egal hat ja nur 1$ gekostet.
In Vegas habe ich dann mein Hostelzimmer bezogen, geduscht und erstmal eine Stunde geschlafen.

Vegas, Baby!Danach habe ich mich auf den Weg durch Las Vegas zum Flughafen gemacht und habe zu Fuß „The Strip“ erkundet. Nun auch Las Vegas wird nicht zu meinen Lieblingsstädten gehören. Abgesehen davon, das alles dort künstlich und surreal scheint, gab es eine Sache die mich unendlich genervt und am Ende fast schon aggressiv gemacht hat.
An jeder Kreuzung stehen dort Menschen die einem Visitenkarten und Flyer für Stripclubs ins Gesicht drücken. Das ist unglaublich anstrengend da sie dabei sehr aufdringlich und respektlos sind . Am Flughafen habe ich dann Astrid abgeholt und zusammen sind wir zum Mietwagenschalter. Ob wir nicht lieber ein Update wollten ein SUV (Geländewagen) wäre doch genau das richtige wenn wir zum Grand Canyon wollen. Ja schon, aber ich hatte vor auf dem Highway dort hin zu fahren. Meines Wissens nach darf man im Canyon auch nicht rumfahren, diesmal würde der Parkranger dann nämlich bestimmt auf mich schießen denke ich. 😉

Am nächsten Tag sind wir dann früh raus und haben uns auf den Weg zum GC (Grand Cayon) gemacht. Nachdem wir erstmal ein wenig in die falsche Richtung gefahren sind, hat die Onboard Navigation auch funktioniert. Wir sind dann ohne Komplikationen im GC angekommen. Auf dem Weg dorthin hat mich dann aber auf einmal ein kalter Schauer überkommen… Was ist denn das? Weiß, kalt, nass ihhh, Schnee Pfui den wollte ich für mindestens ein halbes Jahr nicht mehr sehen. Einglück waren es nur ein paar Stellen, aber es war eine effektive Warnung bezüglich der Temperaturen in der Nacht. Aber darauf waren wir aber vorbereitet. Im Back Country Office haben wir dann die Genehmigung fürs Zelten im Canyon bekommen. Zusammen mit der Warnung uns vor dem Waschbären und Mäusen in Acht zu nehmen die würden Vorräte anfressen, wir sollten unser Vorräte an einen Baum hängen. Danke für den Tip.

P1000938Der Abstieg war dann anstrengender als erwartet und wir sind erst nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Zeltplatz eingetroffen. Die erste Nacht und gleich Zeltbau im dunkeln, uncool! Das ganze verlief dann aber doch recht problemlos und wir sind erschöpft ins Zelt gekrochen.
Am nächsten morgen sind wir dann in den vollen Genuß des GC Panorama gekommen. Die Bilder hier können das kaum wieder geben. Ich hatte für den Trip meinen Primus Omnilite dabei. Dieser hatte mir bisher immer Treue Dienste geleistet. Leider hatte ich vergessen ihn vor diesen Trip zu warten. Das Pumpenleder war ausgetrocknet, so das ich keinen Druck in der Benzinflasche erzeugen konnte. Nach ein wenig grübeln viel mein Blick dann auf meinen Labello im Rucksack, Problem gelöst. Einglück ich habe ein Wartungskit gekauft und es in San Diego gelassen!

Do-it yourself Baum Unseren nächsten Zeltplatz erreichten wir dann ohne weitere Probleme. Während ich dort die coolste Toilette aller Zeiten benutzte (die Auflösung überlasse ich Standout Media) vielen mir die Worte des Parkranger ein… Vorräte an den Baum hängen… Ehhhmmm, Baum? Wie waren froh das es hier Dreck, Grass und ein paar Kakteen gab.
Ohne von Waschbären ausgeraubt worden zu sein, (Die bekommen nicht nochmal meine Oakleys) machten wir uns guter Dinge auf den Weg zum nächsten Zeltplatz. Die atemberaubende Kulisse lies den Tag wie im Flug vergehen und wir erreichten ohne Komplikationen unseren letzten Zeltplatz. Wir traffen dort ein paar Ultraleicht Camper, von dem ich mir ein paar tipps abschauen konnte. Am nächsten Tag machten wir uns dann an den Aufstieg zurück zum Starpunkt. Ab Hemans Rest gab es einen Shuttlebus, der uns dann entlang der Kante des GC innerhalb von 45 Minuten eine Strecke beförderte, für die wir 4 Tage gebraucht hatten.
P1010017Während des ganzen Trips hatte ich vermehrt daran denken müssen wieviel Spass es machen würde, mit einem Mountainbike die Trails zu bezwingen, auch wenn die Kakteen am Wegesrand und steilen Anstiege mich sicherlich schnell eines besseren belehrt hätten.
Die Rückfahrt nach Vegas verlief dann auch ohne Zwischenfälle und wir kamen erschöpft in unserem Motel an. Duschen, Essen (Secret Pizza, Oh Yeah!), Schlafen!

P1000926Ich habe dann Astrid gegen 4:00 morgens zum Flughafen gefahren. Zurück im Motel bin ich dann erstmal wieder ins Bett. Schlafen? Negativ! Also zweites Frühstück und HBO. Den Rest des Tages habe ich dann noch in einer Outletmall verbracht. Abgesehen davon, wusste ich nichts weiter mit mir anzufangen in Vegas. Da ich nach wie vor nicht in Stripclubs gehen wollte und mein Konto auch ohne Glücksspiel schon im Minus war entschloss ich mich am nächsten Tag Vegas zu verlassen. Mein Greyhound Ticket war für drei Tage später datiert, aber ich dachte solange halte ich es nicht mehr hier aus. Also Rucksack aufgesetzt und zum Highway gewandert, trampe ich halt nach Los Angeles zurück, wird schon nicht so schwer sein.

FALSCH! Ab diesem Zeitpunkt ging alles nur noch Bergab.
An der ersten Auffahrt zum Highway stand ich für ca. 2 Stunden. Schließlich wurde ich dann von eine, freundlichem Arzthelfer ca 2-3 Meilen durch die Stadt mitgenommen. Nun, ich war immer noch in Vegas. Nach weiteren erfolglosen 4 Stunden endete ich dann doch Schluss endlich am Stadtrand, zu Fuß. Die letzte Autobahnauffahrt in Vegas und es began dunkel zu werden. Ich habe die Umgebung bereits nach geeigneten Zeltplätzen erkundet, als sich dann doch ein netter Mensch erbarmte, mich mit zu nehmen. Zu meinem Glück war sein Endziel etwas östlich von LA so das ich der Meinung war, den Rest fahre ich dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln. FALSCH! Wie ich vor Ort feststellte, war ich immer noch 60 Meilen von LA entfernt (2cm auf der Karte :-)) und es war bereits nach 23:00 und ich hatte keinerlei Internet um eine Verbindung zu recherchieren. Als ich dann mein GPS eingeschaltet habe sah ich zu meiner großen Freude, dass ich nur zwei Blocks von einer Greyhound Station entfernt war. Nichts wie hin und ab in den nächsten Bus nach LA! 55 Minuten und 17$ später war ich dann wieder in der Greyhound Station von der ich aus LA losgefahren war.

Ich war die ganze Zeit über in Kontakt mit Mary, bei der ich erneut eine Nacht verbringen durfte und er ich außerdem natürlich auch ihren Rucksack zurück bringen wollte.
Ich kam um 0:55 im LA an, warum ich das so genau weiß? Weil der Bus 10 min Verspätung hatte, und ich somit 10 Minuten weniger hatte um die Metro zu erreichen. 2KM, 15KG Rucksack, 12MIN, 20°C und Regen, kein Problem. FALSCH! 13 Minuten.
Rennt mal Nachts mit nem Rucksack durch Downtown LA, da wird man angeschaut als wäre man vom andren Stern.

Metro verpasst, halb so Schlimm, nehme ich halt den Bus, dauert ein wenig länger aber egal.
Also habe ich den freundlichen Busfahrer meines Vertrauens gefragt, ob die Buslinie die ich brauche auch Nachts fährt. Natürlich, ist schließlich LA die größte Stadt an der Westküste…
Nachdem ich dann über 2 Stunden an der Haltestelle gewartet habe dachte ich mir nur… FALSCH!
Ich habe dann einen freundlichen Passanten mit Smartphone gefragt, wann der nächste Bus kommt, 4:45 war die niederschmetternde Antwort. Also dachte ich mir, ich setz mich halt in nen McDonalds bis der Bus kommt. Stehe ich wenigstens nicht im Regen. Korrekt? FAL… McDonalds und Co sind von 1:00 bis 5:00 geschlossen. Ist schließlich die größte Stadt an der Westküste!
Ziemlich fertig bin ich dann schlussendlich um 5:30 bei Mary angekommen. Einglück hatte sie den Schlüssel für mich rausgelegt. Ich wollte einfach nur noch schlafen!

So, jetzt musste ich nur noch von LA zurück nach San Diego. Da ich aus Fehlern nicht lerne, dachte ich mir, Versuchs doch mal mit Trampen. Diesmal hatte ich sogar ein Schild auf dem San Diego stand. Leider hatte ich keinen Rucksack mehr sondern meine Habseligkeiten in zwei Plastiktüten und meinem Exped Packsack. Nach 5 Erfolglosen Stunden wurde ich dann doch von einem netten Mädel mitgenommen. In den USA darf man wenn man mindestens zwei Personen im Auto hat auf einer Extra Spur fahren, die meistens frei ist. Das ist der Grund das ich mitgenommen wurde, stört mich nicht, Hauptsache es geht voran. 30min und eine nette Unterhaltung später, stand ich wieder am Straßenrand. Leider begann es dunkel zu werden und in der Dunkelheit muss man gar nicht erst versuchen mitgenommen zu werden dachte ich mir.
Ich habe also Steve (Mein Bike-Sitter) angerufen, um im zu sagen, daß ich einen Tag später kommen würde. Er hat dann vorgeschlagen, das ich den Zug nehmen könnte. Dies schien mir eine gute Idee, da ich auch echt keine Lust mehr auf Trampen hatte.

Also habe ich den nächsten Bus zur Amtrak Station genommen. Einmal umsteigen und schon bin ich da… Außer man vermasselt es diesmal richtig. Obwohl ich auf der richtigen Seite gewartet habe, kam auf einmal auf der anderen Seite ein Bus mit der Aufschrift ‚Amtrak Station‘ ich dachte mir also: Ohje, ich bin doch auf der falschen Seite. Ich sprinte also über die Straße und erreiche gerade so den Bus. Glück gehabt!
Als ich dann am Bahnhof aufsteige, wird mir etwas bewusst, FALSCHer Bus! Ich bin nicht zur Amtrak Station, sondern zur Amtrak Metrolink Station gefahren.
Noch habe ich 45 Minuten. Das kann man schaffen, ab auf die Straße und zurück gejoggt. Was gibt es schöneres, als Nachts mit Plastiktüten über der Schulter am Pazifik entlang zu joggen? Solange sie Tüten nicht aufreißen und mein gesamtes Gepäck inklusive IPad sich auf dem Asphalt verteilen, eigentlich eine tolle Sache.

Noch habe ich mich aber nicht geschlagen gegeben, alles in die Tütenfetzen stopfen, irgendwie festhalten und weiter geht’s. Ich habe dann noch versucht Autos an die Seite zu winken um sie zu Fragen ob sie mich mitnehmen können. Kurz vor Mitternacht, auf einer verlassenden Landstraße, Wild winkend, mit zerfetzten Plastiktüten in der Hand, geniale Idee! Der Massenmörder mit der Walmart Tüte 🙂 Ich hätte mich auch nicht mitgenommen.
Als mir dann alle 10-20 Meter einen anderer Gegenstand aus der Tüte gefallen ist habe ich erschöpft und deprimiert aufgegeben. Zu meinem Unglück fing es dann auch noch an in strömen zu regnen. Ich habe mich dann entschlossen Steve anzurufen und ihn zu bitten mich abzuholen. Noch nie zuvor hatte ich so ein schlechtes Gewissen, jemanden anzurufen, jemand den ich so gut wie gar nicht kenne, kurz nach Mitternacht, um ihn darum zu bitten mich am Bahnhof mitten im Nirgendwo abzuholen. Ich war aber einfach absolut am Ende. Physisch bin ich ja schon an meine Grenzen gekommen auf dieser Tour, dies war aber das erste mal das ich Emotional an meine Grenzen gestoßen bin! Steve erklärte sich Heldenhaft dazu bereit mich abzuholen und lies sich leider außer Benzingeld und Milka Schokolade zu keiner weiteren Wiedergutmachung überreden!

Dies war das Ende meiner Pechsträhne 48 Stunden Horror. Nicht dramatisch, nicht gefährlich aber für mich unglaublich Emotional! Ab San Diego sollte nun aber alles besser werden, mein nächstes Ziel klar vor Augen… Ich will die Wüste sehen. In der Wüste würde sich alles ändern… Der Zeitungsartikel hat es schon verraten. Die ganze Story gibt es demnächst hier…

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2 Antworten zu “Grand Canyon

  1. Pingback: Benamericana Video Episode 15 | pǝnamericana

  2. hoch emotional toll geschrieben 🙂
    Liebe Grüße aus Indonesien

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