Kalifornien 2/2

Wie versprochen folgt nun der zweite Teil meines Berichtes meiner Tour von San Francisco nach San Diego. Nachdem ich von San Francisco nach Berkley mit dem tollen Bike Shuttle gefahren bin musste ich zurück die Fähre nehmen. Das lag vor allem daran das meine Ambitionen morgens um 7:00 bereits an der Haltestelle zu sein sich in Grenzen hielten. Nachdem ich San Francisco verlassen habe bin ich dann wieder in den Genuss der sonnigen Strände entlang des Highways gekommen.

Mein erster Zeltplatz südlich von SF war dann entgegen meiner Erwartungen kein offizieller Zeltplatz, sondern eine kleine Nische im Gestrüpp direkt am Pazifik.Stealth Camping Das sieht auf dem Foto zwar aus als währe es ein illegales Rauschgift Depot, geschlafen habe ich dort aber trotzdem vorzüglich. Auf meinem Weg Richtung Süden war ich natürlich immer auf der Suche nach netten Plätzen an denen ich kostenlos mein Zelt aufschlagen konnte. Meistens habe ich dafür kleine Seitenstraßen und Feldwege gesucht in Urbanen Gegenden sind diese leider etwas rar was dazu geführt hat das meine Tage teilweise etwas länger als geplant waren.
Zu meinem Glück wurde ich von einem Park Ranger darüber informiert, dass man in National Parks campen darf wo man will, außer in gesperrten Bereichen. Somit habe ich mein nächstes Zelt direkt außerhalb eines offiziellen Zeltplatzes aufgeschlagen. Am nächsten morgen habe ich dann mein Frühstück und Zähneputzen an den Strand verlegt.

Auf meiner Route habe ich dann nach wenigen Kilometern zwei Menschen mit Seltsamen Taschen an ihrem Fahrrad am Straßenrand gesehen. Antonio und Amanda, vollbeladen mit Ortlieb Taschen auf ihrem Weg nach Süden. P1000827Die beiden waren auf ihrem Weg von San Francisco nach Terra del Fuego, seit einer Woche unterwegs mit dem Endziel Afrika und Spanien -> Blog . Also haben wir uns kurzerhand entschlossen ein wenig zusammen weiterzufahren. Ab Los Angeles hatten wir dann unterschiedliche Zeitplanungen weswegen sich unsere Wege leider wieder trennten. Zusammen hatten wir aber eine sehr gute Zeit auf den unterschiedlichsten Zeltplätzen. Die beiden teilten auch meine Meinung das 10$ für nen Zeltplatz ganz schön überteuert sind. So haben wir das ein oder andere mal einen sehr frühen Start in den Tag gehabt 😉
Das spannendste Erlebnis war dabei der Versuch einen Stealth-Zeltplatz zu finden in einer Region wo überall nur Gemüse und Obstfelder waren. Das übliche „Fahrrad ins Gebüsch“ war aussichtslos und wir versuchten unser Glück auf zwei Farmen und schließlich sogar auf einem Golfplatz. Ziemlich enttäuscht haben wir dann doch ein kleines Plätzchen am Straßenrand gefunden und hatten gerade beschlossen unser Zelt hinter ein paar Bäumen aufzuschlagen. Da stoppt Kevin am Straßenrand, Kevin spielt Golf und hatte mitbekommen das wir einen Platz zum schlafen suchen. Kurzerhand Bot er uns an in seinem Garten zu schlafen, außer wir wollten doch lieber im Gebüsch schlafen 🙂 Die Antwort war klar… In seinem Garten angekommen begannen wir sofort mit dem Zeltbau, dann haben wir auch seine bezaubernde Frau Jo kennen gelernt und draußen schlafen war keine Option mehr. Die Zelte haben also eine Nacht alleine in Kevin und Jo’s Garten verbracht und wir haben sehr komfortabel drinnen geschlafen.
So können sich die Dinge im Laufe weniger Minuten ändern. Und das ganze ist nur zu Stande gekommen weil wir trotz aussichtsloser Chancen auf den Golfplatz gefahren sind. Am nächsten Morgen haben wir dann beim Frühstück jede Menge interessanter Reisegeschichten ausgetauscht und haben uns dann weiter auf den Weg Richtung Süden gemacht. Wie bereits erwähnt haben sich unsere Wege dann kurz vor Santa Barbara getrennt, wo ich eine Nacht bei einem Warmshowers Host verbracht habe und die beiden bei ein paar Tage bei einer Bekannten untergekommen sind.

Mein Highlight auf dem weiteren Weg Richtung LA waren dann definitiv die Delfine, die im Sonnenuntergang in Strandnähe meines Zeltplatzes vorbeigeschwommen sind. Das Video dazu gibt es dann hoffentlich bald von StandOut Media 😉 Priceless
Je näher ich auf meiner Reise nach Los Angeles gekommen bin, je schwieriger wurde es dann Überhaupt Zeltplätze zu finden. Ein wenig östlich von Malibu habe ich dann eine Nacht am Strand verbracht. Das war leider nicht so romantisch wie es klingt. Ich konnte dort kein Zelt aufbauen, da dort kein Sichtschutz war, also dachte ich mir mein Sommer Schlafsack wird wohl reichen, und da er Gelb ist fällt er auch nicht so sehr auf. Gegen Mitternacht habe ich dann meinen Dauenschlafsack ausgepackt, es war nicht wirklich kalt aber der Wind war echt fies und ich habe meine Ortliebtaschen und Frank als Windschutz genutzt. Am nächsten morgen habe ich mich dann ca. Eine Stunde vor Sonnenaufgang auf den Weg gemacht, weil ich Angst hatte erwischt zu werden. Nach ungefähr einer knappen Stunde Fahrzeit habe ich dann das Ortseingangsschild von Los Angeles passiert und erblickte im Morgengrauen das dort alle möglichen Menschen am Strand geschlafen haben. Also umsonst sorgen gemacht? Wer weiß…

Mein Tagesziel war es dann, so schnell wie möglich durch LA zu kommen um einen Zeltplatz zu erreichen. Am frühen Vormittag musste ich dann aber feststellen, das ich es nicht schaffen würde aufgrund der Ausladenden Vororte und des Großstadtverkehrs. Meine vorherigen Versuche einen Warmshowers Host in LA zu finden waren leider erfolglos. Nachdem ich dann wiederholt die Karte der näheren Umgebung studiert habe, versuchte ich mein Glück darin die Hosts direkt anzurufen. Es war mir schon sehr peinlich, normalerweise sollte man schon ein paar Tage Vorlauf geben und nicht ein paar Stunden. Zum Glück habe ich aber Mary angerufen, Samstag morgens um 10:30, und sie leider geweckt. Obwohl sie zuerst gar nicht wusste wer ich bin und was ich von ihr will, gestattete sie mir bei ihr die Nacht zu verbringen.
Der Rest meines Tages in LA war dann dadurch gekennzeichnet, das ich versucht habe keine Touris zu überfahren. In LA vermieten sie nämlich Beachcruiser Fahrräder mit denen dann jeder der will an den Stränden entlangfahren kann. Leider scheinen die meisten Menschen aber zu vergessen das es auch mit dem Fahrrad ungesund ist in der Gegenfahrbahn zu fahren, in Kurven anzuhalten um Fotos zu machen oder die Karte zu lesen. Da ich mit meinem voll beladenen Rad ungefähr so flexibel bin wie ein Güterzug, war die Abnutzung meiner Klingel doch beachtlich… Ich hatte die GoPro die meiste Zeit am laufen um sie im Zweifelsfalls als Beweismaterial nutzen zu können 🙂

Als ich dann am Abend bei Mary ankam, fand ich heraus warum sie anfangs so verwirrt war, sie hatte sich vor einem Jahr bei Warmshowers registriert, weil ihr mittlerweile Ex-Freund eine Tour durch die Staaten unternehmen wollte. Sie hatte jedoch vergessen ihren Account zu löschen und ich war der erste Biker der bei ihr eine warme Dusche und einen gemütlichen Platz auf der Couch in Anspruch nehmen durfte. Nachdem ich dann abends zu einem all-you-can-eat Buffet mit ihren Freunden gegangen bin war sie dann noch so liebenswürdig mir ihren Rucksack für meinen Grand Canyon Trip zu leihen. Jemanden den sie seit nichtmal 24 Stunden kennt der sie ein paar Stunden zuvor aus dem Schlaf gerissen hatte. Ein Wiedersehen war somit vorprogrammiert, ich muss den Rucksack ja auch wieder zurück bringen. Aber dazu gibt es mehr in meinem Bericht vom Grand Canyon.

Guter Dinge machte ich mich dann auf den Weg raus aus LA San Diego entgegen. Ich schaffte es dann mit Mühe und Not kurz vor Einbruch der Dunkelheit in den Crystal Cove State Park. Dort gab es nirgends einen Zeltplatz, aber ich erinnerte mich an die netten Worte des Rangers zum Thema freies Zelten in Parks in den USA. Also Zeltaufgebaut essen gekocht und schlafen. Es gefiel mir dort so gut, das ich entschied dort einen Tag zu verbringen um ein wenig Pause zu machen.
Gegen Mittag hörte ich dann eine freundliche Stimme „Park Ranger! – Is anybody in there?“ Ohje, ich also in Boxershorts und Shirt aus dem Zelt geklettert. Ich dürfe hier nicht campen, wer ich überhaupt sei und ob ich bewaffnet bin. Während der eine Ranger sich mit mir angeregt über meinen bisherigen Trip Unterhalten hat, stand der andere die ganze Zeit mit der Hand an der Waffe da und hat mich auf Armlänge Abstand gehalten. Nachdem ihnen die Zentrale dann mitgeteilt hat das ich im Staate Kalifornien kein gesuchter Massenmörder bin und Interpol auch nichts gegen mich vorzuliegen hatte wurde das ganze dann etwas entspannter. Ich war nun außer Gefahr von einem Parkranger für illegal campen erschossen zu werden. Sie haben mir dann mitgeteilt das man ihn national Parks Zelten darf wo man will, aber nicht in State Parks, das war mir schon bewußt, aber man kann sich ja auch mal dumm stellen 🙂
Da ich doch sehr an meinem Leben Hänge, habe ich die weiteren Nächte auf dem Weg nach San Diego dann doch lieber auf offiziellen Zeltplätzen verbracht.

Meine weitere Tour verlief dann ohne Zwischenfälle, und ich bin bei meinem Warmshowers Host in San Diego angekommen. Dort habe ich mich dann um eine Unterkunft für Frank gekümmert, da ich ihn auf meinem Trip zum Grand Canyon nicht mitnehmen wollte.
Den Rest meiner Tage hier in San Diego habe ich dann im Ocean Beach Hostel und bei ein paar Freunden von Tzu-Hsin verbracht. Abgesehen von erholsamen Tagen am Strand in der Sonne des Pazifik und einem Kurztrip nach Tijuana Mexiko, stellt dies das recht unspektakuläre Ende meiner Fahrrad-Reise dar.

Das soll es schon gewesen sein?

Natürlich Nicht! Im nächsten Bericht schreibe ich über meinen genialen Trip zum Grand Canyon, Meine 48 Stunden Horrortour von Las Vegas zurück nach San Diego und warum ich diesen Bericht aus Independence, Texas schreibe.
Ich versuche auch nicht wieder soviel Zeit verstreichen zu lassen! P1000875

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7 Antworten zu “Kalifornien 2/2

  1. Pingback: Benamericana Video Episode 14 | pǝnamericana

  2. Pingback: Benamericana Video Episode 15 | pǝnamericana

  3. Hi Ben,

    viel Spaß weiterhin auf deiner Reise!

    Viele Grüße aus deiner alten WG.
    Thomas

  4. Toll ich will ganz,ganz schnell die Delfine sehen und natürlich auch von dem Rest der bestimmt in Deinen Augen spektakulärer ist als so ein paar Säugetiere im Ocean!! Meine guten Wünsche schicke ich zu Dir und immer schön genießen denn bei uns kommt jetzt gerade der erste Frühlingshauch vorbei.
    Eine riesen Umarmung von Deiner MOM

    • Interessant dass du lieber das Video mit den Delfinen sehen magst anstatt dich daran aufzuhängen, dass dein Sohn fast von einem Parkranger erschossen wurde ;3

      Ich sag doch Ben, der bart muss ab, ich persönlich hätte dich so wahrscheinlich nichtmal über die Grenze in mein land gelassen ;3
      Okay, Spass bei Seite, ich hoffe noch auf ganz ganz viele Bilder von den schönen Stränden und Sonnenuntergängen, auch wenn es klischeehaft ist. Sind mir ja manchmal fast schon zu wenig bildhafte Darstellungen in deinen beiträgen~

      Bin sehr gespannt auf deinen Horrortrip nach Las Vegas, aber da du noch schreiben kannst, denke ich nicht dass du iPad und co beim zocken verloren hast ;3

      • Die Bilder habe ich meistens extra unter der Rubrik Media. WordPress schmeißt mir immer gerne meine Textformatierung durcheinander, sobald ich Bilder einfüge. Deswegen habe ich meist nur ein paar im Beitrag und das meiste in der Medien Rubrik.
        IPad hab ich nicht verzockt, aber fast zerlegt…

  5. Malte Füllgrabe

    Das klingt doch nach einer wahrlich erfreulichen Tour an der Westküste der USA entlang. Pass weiter auf dich auf
    M.

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