Wind, Schnee und Berge

Damit lässt sich eigentlich schon meine erste Woche auf dem Weg von Anchorage nach Tok zusammenfassen. Geistig hatte ich mich zwar auf schwierige Verhältnisse eingestellt, aber darauf hätte ich mich nie vorbereiten können.

Dabei fing alles ganz entspannt an. Meine Abreise aus Anchorage nachdem ich mein Gepäck endlich bekommen habe verlief reibungslos. Mir wurde übrigens von Condor ein Formular gegeben, mit dem ich Ansprüche geltend machen kann, für Kosten die durch die Verzögerung entstanden sind. Leider habe ich keine Quittungen für meine Einkäufe und auch wirklich nicht den Nerv mich jetzt darum zu kümmern.

Natürlich musste ich am Anfang meiner Reise häufiger anhalten, um noch ein wenig was hin und her zu rücken oder zu verzurren, aber generell lief alles entspannt. Jetzt wo ich mit GoPro und Kompaktkamera bewaffnet den Radweg gefahren bin habe ich keinen einzigen Elch mehr gesehen. Sonst waren die immer wie Ungeziefer, überall 🙂

Aus Anchorage raus verlief es dann auch ganz ok, wobei ich ab und zu Probleme hatte den Radweg zu finden. Kurz nach der Stadtgrenze hörte dann dieser aber eh auf und ich musste ab dann auf dem Highway fahren. Bevor ich mich dazu entschließen konnte, stand ich ich eine Weile mit meinem GPS an der Auffahrt und habe gesucht, ob es doch noch eine Alternative gibt… Fehlanzeige! Auf jedem Fall ist es einem Polizisten aufgefallen das ich da Ratlos an der Auffahrt stand und er meinte ich müsse auf der Autobahn weiter, „There’s no law against it.“ Also ab auf den Highway. Wie auf der Seite vielleicht bereits im Video zu sehen, war die Polizei hier wirklich mein Freund und Helfer, da er später nochmal wiederkam um mir ein paar Kleinigkeiten und zwei Fertigmahlzeiten (MRE) zu bringen.

Meine erste Nacht im Zelt habe ich dann unmittelbar neben der Autobahn verbracht, da ich keinen Zeltplatz bis zum Einbruch der Dunkelheit finden konnte. War schon ein komisches Gefühl da zu liegen, die ganzen Vorurteile über Bären, Wölfe und böse Menschen im Hinterkopf. Mit ein wenig Musik und später dann auch mit Ohrenstöpseln, konnte ich dann doch ganz gut schlafen. Am nächsten morgen der Blick aus dem Zelt, Ohje Nebel! Zu meinem Glück klärte sich dieser dann aber im Verlauf des Tages, so dass ich am Nachmittag bei Sonnenschein und blauen Himmel mein MRE, das ich von dem Polizisten bekommen hatte, essen konnte. Meinen Schlafsack und mein Zelt konnte ich nebenher auch noch ganz gut trocknen. Gegen Ende meiner Tour an diesem Abend wurde es dann zunehmend windiger. Noch dachte ich mir nichts dabei…

Leider musste ich in den folgenden Tagen feststellen, dass hier ein permanenter Nord-Ost nach Süd-West Wind weht. In Alaska gibt es nur eine Windrichtung und die heißt „Gegenwind“, und zwar die ganze Zeit und ohne Unterbrechung. Halt doch, wenn ich mich einen Berg hochquäle habe ich zu 70-80% keinen Gegenwind. Zusätzlich sind dann nach dem 4. Tag auch die Temperaturen akut abgesackt, so das ich morgens meist so Minus 15°C habe die dann im Laufe des Tages zu Minus 5-10°C ansteigen. Leider hatte ich in der ersten kalten Nacht meinen Wassersack einfach so im Zelt liegen, naja nun fahre ich einen 2Kilo Eisblock spazieren. Aus Fehlern lernt man ja! Alles von dem man also nicht will, das es über Nacht einfriert, muss also mit in Schlafsack.
Der Wind tut zum, Unwohlsein dann sein Übriges, ich bin jetzt schon mit Sturmhaube, dicken Handschuhen, Daunenjacke und Snowboardbrille Unterwegs. Das drückt leider den Spassfaktor erheblich.

Meistens fahre ich von 11:00 morgens bis 18:00 mit kurzen Pausen, ununterbrochen Fahrrad damit schaffe ich gerade mal 60km pro Tag. Das ist zwar mehr als geplant, aber nur so kann ich mir auch mal nen Tag Pause gönnen. Nach 8 Tagen habe ich jetzt 100km extra rausgefahren, somit bin ich dann dank Condor ab jetzt gerade wieder im Zeitplan.

Auch wenn ich hier nicht nur rumjammern will, muss ich leider trotzdem sagen, dass es bisher gar nicht angenehm läuft. Von der Landschaft bekomme ich auch nicht soviel mit, da ich meist zu erschöpft bin um diese zu genießen oder ich mich zu sehr aufs Fahren konzentrieren muss.
Zu den Menschen hier kann ich aber auf jeden Fall sagen, das sie sehr, sehr freundlich sind, mir regelmäßig zuwinken und stets bemüht sind einem weiterzuhelfen! Wurde auf der Straße erst ein einziges mal angehupt.

Morgen erreiche ich dann hoffentlich Tok, ab da soll es besser werden wurde mir gesagt. Ich gehe auch davon aus, da ich ab dann endlich Richtung Süden fahre und es auch ebener werden soll.
Habe auch echt genug davon, wie nen Affe die Berge hochzukurbeln, und dann auf der anderen Seite genau so runterkurbeln zu müssen. Das man bei einem 7% Gefälle treten muss wie ein Verrückter damit man über 25km/h kommt habe ich bisher noch nie erlebt! Das ist als würde man beim Auto Bergab in den ersten Gang schalten müssen um zu beschleunigen! Ist er wie in der Wüste, „hinter der nächsten Düne ist bestimmt eine Oase“ – „hinter der nächsten Hügelkuppe ist bestimmt kein Wind.“ Die Hoffnung stirbt ja zuletzt… 🙂

Achja, diese Zeilen schreibe ich aus einem Motelzimmer, ansonsten waren meine Finger immer zu kalt zum schreiben. Musste einfach mal alles trocken kriegen und brauchte einen Tag Pause von „Alaska – The last Frontier“ also quasi Front-Urlaub.

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11 Antworten zu “Wind, Schnee und Berge

  1. Hi mein Lieblingssohn,
    puh bin ich froh das ich erst heute deine Einträge zu den ersten Erlebnissen gelesen habe. War ja wieder einmal in Berlin (Deiner Geburtsstadt) und natürlich ohne Internet.Soll dich von allen die du kennst herzlich grüßen und die Visitenkarten habe ich unter der Verwandtschaft verteilt;-) Mußte schon ganz schön schlucken als ich gelesen habe was alles von vorne auf dich zukommt. Das hatte ich nicht gemeint als ich von kleineren Unwegsamkeiten beim Abschied von Dir erwähnte. Also jetzt soll erst einmal der Heilige Christopherus das tun wofür er da ist, nämlich der Beschützer aller Reisenden sein,sonst gehe ich mal nächsten Sonntag in die Kirche und rede mal ein ernstes Wörtchen mit dem da oben. Aber jetzt will ich Dir eine Portion Kraft und Zuversicht senden und ich weiß „Du schaffst es“ denn es sind so viele gute Gedanken und Wünsche jeden Tag auf dem Weg zu Dir.
    Eine ganz feste,warme Umarmung aus dem herbstlichen Zeitz von Deiner MOM

  2. Hi Neffe, das schlafen an der Autobahn haste doch bei uns kennen gelernt

  3. Jaja – der Wind macht mit einem, was er will, aber irgendwann weht er auch mal von der richtigen Seite. Ich wünsche Dir auf jeden Fall bessere Verhältnisse.
    BTW: Könnte mit jemand von den Followern einen Hint geben, wie man an das Video von Jim kommt?

  4. Hey Ben, ich hab Dir doch gesagt häng dich auf dem Highway in den Windschatten einen Trucks…
    Ich freu mich über erste parallelen zum Video, und es konnte noch keiner finden, weil es noch nicht hier verlinkt ist.
    Wer es sehen will

    Ich hoffe jedenfalls, dass der Gegenwind dreht und du mit Rückenwind in wärmer Regionen radeln kannst.

    Liebe Grüße
    Marco

  5. Hey Ben,
    schön wieder von dir zu hören 🙂
    Ich schicke dir warme Gedanken und hoffe, dass die nächsten Tage. Besser werden. Mit jedem Pedalschlag kommst du dem Süden ein bisschen näher, also Kopf hoch. Umso stolzer bist du später.

    Ein Video kann ich hier auch nicht sehen, werde mal das Internet durchstöbern. Bis bald, fühl dich gedrückt.
    Birthe

  6. Cooler Cop. Und das er das auch gleich hochlädt, sehr geil.
    Hoffe ab sofort hast du Rückenwind und es geht nur noch bergab (also Streckenmäßig, sonst natürlich nur bergauf 😉 )
    Mach dir ein paar warme Gedanken und so!

  7. Video? Mhh, irgendwie seh ich das nicht. Aber dein Bericht ist ja auch so bildhaft genug, dass man sich erst mal einen warmen Tee holt zum Weiterlesen 😉 Ich drück die Daumen, dass du gerade den harten Auftakt hinter dich gebracht hast und die Tour angenehmer wird. Aber cool zu sehen, wo du gerade so rumkurvst. Ich freu mich schon auf den nächsten Bericht. Halt die Ohren steif 🙂

  8. Huhu Ben! Wir haben grad deinen Eintrag gelesen und das Video von Jim auf Vimeo gesehen. Wie süß ist er denn? Solche Polizisten sollte es hierzulande mal geben! Mein Lieblingssatz: „Wir sind jetzt hier 50km außerhalb von Braunschweig“ 😉 Wir sind also noch in deinem Herzen – yeah!
    Es ist schön wieder was von dir zu hören und zu wissen, dass deine Reise endlich starten konnte. Kopf hoch, irgendwann geht auch dem Wind die Puste aus! Bis hoffentlich bald, Tina

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