Tag 1 – Anchorage

Ich hätte nie gedacht, daß ich nach 24 Stunden bereits soviel Neuigkeiten haben werde, daß sich ein Blog Eintrag lohnt. Jetzt sitze ich aber hier, vor mir nieselt es sanft auf einen wunderschönen See und hinter mir ragen die Berge majestätisch in den grauen Himmel von Anchorage. Was stimmt an diesem Bild nicht ?! Ich würde sagen der Fakt, das ich mit meinem IPad in einem bequemen Sessel sitze und nur aus dem Fenster sehe während ich diese Zeilen schreibe. Doch wie kam es dazu…

Vorbereitung

Generell sollte ich eh ein wenig früher ansetzen. Die letzten Wochen vor meinem Abflug waren recht durchwachsen. Die Freude darüber das es bald losgeht, stieg dabei in gleichem Maße wie die Trauer darüber das ich so viele Freunde für eine lange Zeit nicht wieder sehen würde. Jeder Abschied fiel mir schwer, aber man ist ja nicht aus der Welt.
Neben dem Zwischenmenschlichen galt es dann auch noch einiges zu organisieren, Nachmieter finden, Ausrüstung kaufen, Umzug planen, Equipment testen, Master Arbeit schreiben, Zahnarzt Besuche und vieles mehr. Wenn man ein Ziel vor Augen hat, fällt zwar vieles leichter, erledigt sich aber trotzdem nicht von selbst.
Nach meinem Abschied aus Braunschweig, konnte ich dann noch 10 entspannte Tage bei meiner Mama verbringen und mich auf meinen Abflug vorbereiten. Je näher das Datum rückte, um so mehr Dinge konnte ich von meiner To-Do Liste streichen und mich auf meine Tour freuen.
Sicherlich sorgt es dann nochmal für ein wenig Stress, wenn das GPS Gerät 48 Stunden vor Abflug der Meinung ist, dass die installieren Karten auf einmal nicht mehr Routingfähig sind. Eine kurze Nachtschicht hat dann aber Besserung gebracht. Auch ein europaweiter Rückruf des Typhus Impfstoffes eine Woche vor Abflug, gehört nicht zu den Dingen die einem unbedingt Freude bereiten. Abgesehen von diesen Kleinigkeiten lief die Vorbereitung aber doch sehr gut und ich konnte mich mit einem guten Gefühl, zusammen mit den beiden Jungs von StandOut Media, auf den Weg zum Frankfurter Flughafen machen.
Es schwirrten mir dabei aber trotzdem immer noch Fragen durch den Kopf, ist das Fahrrad sicher genug verpackt? Habe ich auch nichts liegen gelassen? Gibt es mit dem Visum Probleme? Wird Condor meine, in eine Ikea-Tüte gewickelten Fahrradtaschen, als Gepäck akzeptieren?

Der Flug

Kurz gesagt, am Flughafen in Frankfurt lief fast alles perfekt (Aus dem kleinen „fast“ wurde dann später erst ein großes Problem!). Am Gate angekommen, bestand meine letzte Amtshandlung darin, die SIM Karte aus meinem Handy zu nehmen und dieses auszuschalten, auf Wiedersehen Deutschland! Das Flugzeug war nur zu ca. 1/3 besetzt, was in einen üppigen Platzangebot resultierte. Nach ungefähr 2-3 Stunden Flug tauchte neben mir Jeffrey, mit den Worten „Aren’t you the guy that had the big bike box at the airport?“ auf, und ich hatte zwei Stunden lang eine super interessante Unterhaltung über Fahrräder, Deutschland und Anchorage. Die von ihm gern genutzte Phrase „People will go out of their way to help you“, sollte, wie sich später herausstellte, das Motto von Anchorage werden.

Ankunft

In Anchorage wurden wir durch die Stewardess mit folgenden Worten begrüßt, „Willkommen in Anchorage, es sind 8° C und leicht bewölkt. Achja, in Frankfurt war ein Gepäckband defekt, deswegen konnten wir 30 Gepäckstücke nicht mitnehmen!“ Hmmm, wessen Gepäck wird da wohl nicht mitgekommen sein…
Der Gang zum Nicht-Einwanderungsschalter gestaltete sich schnell und unkompliziert, waren ja auch nur 10 Touristen in dem Flugzeug. Wer ist den auch so verrückt und fliegt im Oktober nach Alaska.
Ja, da stand ich nun am Gepäckband und jedes mal wenn die Klappe sich öffnete, stieg die Hoffnung, mein blaues Ikea-Tüten-Päckchen zu erblicken, vergebens. Aber mein Fahrrad hat es geschafft, wenigstens etwas.
Da steht man nun am Flughafen von Anchorage, allein, mit Handgepäck und nem Fahrrad in der Kiste. Ich erinnere mich noch deutlich an meine Worte: „Das ist ein Direktflug, was soll da schon schief gehen!“
Wir wurden dann darüber informiert, das die Sachen mit dem nächsten Flugzeug gebracht werden… am Dienstag, also in 4 Tagen! Welcome to Alaska!

Basecamp

Was soll’s dachte ich mir, wenigstens hast du dein Fahrrad kann man ja ein wenig hier rumfahren. Einglück hatte ich mein Zelt und meine Isomatte mit in die Fahrradkiste getan und einen Kontakt habe ich hier Anchorage ja auch.
Also bin ich zum nächsten Flughafenmitarbeiter um ihn zu Fragen, ob er mir nen Imbusschlüssel geben kann, um mein Rad zusammen zu schrauben. Die Frage, ob mein Fahrrad metrische oder standard Schrauben hat, ließ mich bereits schlimmes Ahnen. Wie zu erwarten, passten die Imbusschlüssel nicht.
Egal, ruf ich halt Paul an, dass er mich bitte am Flughafen abholt. Nach einem kurzen Missverständnis, über nationale und internationale Ankunfthallen, bin ich dann wohlbehalten hier bei Paul angekommen. Während ich dort gewartet hatte, wurde ich 3 mal gefragt ob man mir helfen kann, und mir wurde 2 mal angeboten mich mitzunehmen. Nun darf ich netterweise die nächsten Tage bei Paul verbringen, bis tmein Gepäck ankommt und dann geht es los auf meine große Tour.
Gestern bin ich dann aber trotzdem ne Runde durch Anchorage gefahren und habe dabei gleich meinen ersten Elch, ungefähr einen Meter neben der Strasse liegen, gesehen. Faszinierende Tiere! Ich wünschte, ich könnte euch ein schönes Foto zeigen, aber die Kamera ist in Frankfurt…
So bleibt mir nicht weiteres übrig, als aus dem Fenster auf den See zu schauen, meine Einkaufsliste für Walmart zu schreiben und auf Dienstag zu warten! Die Berge am Horizont rufen bereits nach mir, Geduld…

Update 09.10.2012
Leider konnte ich den Artikel heute erst hochladen, ich bin jetzt aber fast schon auf dem Weg zum Flughafen um mein Gepäck zu holen. Ich hoffe heute Nachmittag bin ich dann auf Tour.

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9 Antworten zu “Tag 1 – Anchorage

  1. Ich wünsche mir nachträglich alles Gute zum 50ten ,das du nicht dran gedacht hast beruhigt mich. Langeweile haste wohl nicht. Auf ein Wiedersehen, dein Onkel.

  2. Schön, von dir zu lesen. Denke ganz oft an dich!

  3. Hey Ben, es freut mch zu hören, dass Du gesund am Startpunkt der Tour angekommen bist. Heute ist bei uns schon Mittwoch und ich gehe mal davon aus dass du heute deine erste lange Tour Richtung Kanada startest.
    Viel Erfolg und denk dran, auch über ein kurzes Statement von unterwegs erfreut in der Heimat viele Menschen.

    Gute Reise 🙂

  4. Schön das Du es auf jedenfall erst mal bis dahin geschafft hast – und wenigstens Dein Drahtesel schon mal vor Ort ist. Aber die Sache mit dem Gepäckband und dem „Direktflug und kann ja nichts passieren“ zeigt wieder mal eindrucksvoll – nichts ist so beständig wie die Änderung der Lage :-)…
    Bin aber schon auf Deinen nächsten Zeilen gespannt und dann diesmal (hoffentlich) nicht aus einem bequemen Sessel.

    Evil

  5. Moin Ben, gut zu lesen wie es dir seit dem Abflug in Deutschland ergangen ist. Ich hatte ja schon fast damit gerechnet, dass es kleinere Anlaufschwierigkeiten geben wird – aber dass dein Gepäck erst mal prompt liegen gelassen wird ist nicht der beste Auftakt für dein Abenteuer. Ich hoffe du hattest eine schöne Zeit bei Paul und kannst Mittwoch gut durchstarten 🙂 Ich freu mich schon auf deine Updates.

  6. Cool….er hat es geschafft! Hatte ja schon in Frankfurt schiss, dass wir evtl. durch unsere Aktionen deinen Abflug gefährden, aber das lief ja super gut!
    Ich wünsch dir nen super Start, und hoffe dass dein Gepäck jetzt vollständig da ist! (hihi, meine Frage nachdem, was schief gehen könnte, war dann ja sehr passend!)
    Der Roadtrip mit dir und die super Aktion mit der Nacht im Frankfurter Flughafen Parkhaus waren auf jeden Fall der Hammer!!!!
    LG Henne

  7. Das fängt ja gut an Ben! 🙂 ich hoffe mittlerweile sind alle sieben Sachen wieder bei dir und du kannst endlich starten. Hier sind es morgens übrigens 5 Grad;) lg, Tina

  8. Oh Ben, bin ich froh von dir zu hören! Habe gefühlt stündlich nachgesehn, ob du was neues geschrieben hast.
    Jaja, was soll schon auf einem Direktflug schief gehen 🙂 immerhin geht es deinem Bike gut. Kommst du gut durch den Schnee? Ich hoffe dein Gepäckt ist heute da und dass es bald los gehen kann. Viel Spaß und gute Fahrt.

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